Kürzlich nahmen unsere Teams an einigen wichtigen europäischen Konferenzen zum Thema Compliance im Bereich Finanzkriminalität teil (AML Intelligence European FinCrime Summit, ACAMS Europe, FCA RegTech Forum und ICA Future of Compliance Summit) mit Einblicken aus erster Hand in den rasanten Wandel dieses Teilbereichs der Compliance.
Hier sind die sechs wichtigsten Trends, die jeder Compliance-Experte im Blick behalten sollte.
- KI im Compliance-Bereich: KI-Agenten und agentische KI dominieren die Diskussionen auf Konferenzen, obwohl deren Einführung weiterhin zurückhaltend und in begrenztem Umfang erfolgt. Nach wie vor ist es von entscheidender Bedeutung, menschliche Aufsicht im Mittelpunkt zu behalten.
- AML in Echtzeit: Angesichts der zunehmenden Verbreitung von Sofortzahlungen und Finanzdienstleistungen rund um die Uhr stehen die Institute unter wachsendem Druck, von einer statischen, batch-basierten Überwachung auf eine intelligenzgestützte Erkennung in Echtzeit umzustellen.
- Das neue Gesicht von KYC: KYC entwickelt sich zu einer kontinuierlichen Kunden- und Netzwerküberwachung, die durch KI, Graphenanalyse und dynamische Verhaltensüberwachung vorangetrieben wird.
- Krypto-Compliance gewinnt zunehmend an Reife, aber die Geldwäschepraktiken im Zusammenhang mit Krypto-Währungen entwickeln sich weiter schneller als die Strafverfolgung.
- Das einheitliche Regelwerk der AMLA zielt darauf ab, die Aufsicht EU-weit zu vereinheitlichen, wobei die Aufsichtsbehörden einen Ausgleich zwischen Harmonisierung und lokalen Gegebenheiten schaffen.
- Zusammenarbeit ist entscheidend: Der Abbau interner Silos und der Ausbau öffentlich-privater Partnerschaften sind unerlässlich, um zusehends komplexer werdende Finanzdelikte zu bekämpfen..
1. KI in der Compliance – großer Hype, geringe Nutzung
KI im Bereich Compliance ist nach wie vor eines der meistdiskutierten und -gefeierten Themen auf allen Konferenzen. KI-Agent und agentbasierte KI sind zu Schlagworten geworden, die eine Zukunft bezeichnen, in der KI den Ermittlungsprozess autonom stützt oder sogar antreibt.
Betrachtet man jedoch die tatsächliche Umsetzung, so ist die Realität differenzierter, denn in der Praxis befinden sich viele Finanzinstitute noch in den Anfängen der operativen Nutzung von KI.
Laut einer neuen Studie von Synpulse zu Banken in der Schweiz und Liechtenstein bekunden zwar 97% der Institute großes Interesse an KI im Compliance-Bereich oder planen deren Einführung, aber nur 53% setzten sie auch bereits ein. Und selbst bei Unternehmen, wo dies der Fall ist, sind Anwendungsfälle oft begrenzt und beschränken sich in erster Linie auf KYC-Lösungen von Drittanbietern mit integrierten KI-Funktionen.
Kurz gesagt: KI für die Compliance hat weiterhin höchste strategische Priorität, doch der tatsächliche Einsatz beschränkt sich auf ausgewählte Pilotprojekte und eng gefasste Anwendungsfälle.
KI-Agenten sind nach wie vor eher utopisch. Auf Konferenzen diskutierten mehrere Referenten zukünftige Architekturen, in welchen KI-Agenten Daten erfassen, Risiken bewerten, Ermittlungen planen, Beweise sammeln, Empfehlungen für das weitere Vorgehen aussprechen sowie vollständige Fallbeschreibungen erstellen, allerdings unter der letztendlichen Kontrolle des Menschen.
- Menschliche Kontrolle (HITL) bleibt unverzichtbar: Auch wenn KI dazu beiträgt, wiederkehrende Arbeitsschritte zu reduzieren und die Effizienz zu steigern, ist menschliche Aufsicht nach wie vor entscheidend für Verantwortlichkeit, Transparenz und das Vertrauen der Aufsichtsbehörden.
- Es bleiben praktische Hürden: Unternehmen stehen bei der Einführung noch immer vor Schwierigkeiten bzgl. der Integration in Altsysteme, dem Management von Risiken im Zusammenspiel mit KI-Modellen, der Sicherung der Datenqualität und der Abstimmung zwischen den Beteiligten in Hinsicht auf KI-Governance.
Derzeit umfassen die gängigsten KI-Anwendungsfälle Funktionen wie die Priorisierung von Auffälligkeiten, KYC-Prüfungen, Fallzusammenfassungen oder Datenanreicherung, wobei menschlichen Experten die Entscheidungsgewalt zukommt.
Uns bei IMTF bestärkt diese Realität in unserem hybriden KI-Ansatz, also in der Kombination von KI, regelbasierter Methodik, Automatisierung und menschlicher Kontrolle für Effizienz und Nachvollziehbarkeit, die unseren Kunden ermöglicht, zusehends komplexere Compliance-Herausforderungen souverän zu meistern.
2. Echtzeit-AML und Effizienz bei durchgängigen Ermittlungen
„Da wir schnellere Zahlungen wollen und brauchen, bedarf es auch raschere Erkennung, ohne dabei mit falsch-positiven Treffern überflutet zu werden. Wir müssen also in dynamische Überwachungssysteme investieren, die Datensätze kombinieren, aber auch in KI, um nicht nur herkömmliche Transaktionsdaten, sondern auch umfassendere KYC-Daten zu analysieren.“ – François Villeroy de Galhau, Gouverneur der Banque de France, ACAMS The Assembly Europe
Die rasante Zunahme von Sofortzahlungen und von neuen Formen der Finanzkriminalität hat dringenden Bedarf an intelligenten Echtzeit-Compliance-Systemen erzeugt. Experten auf den Konferenzen betonten, dass – um hier Schritt zu halten – nicht allein schnellere Überwachung, sondern intelligentere und stärker integrierter Ansätze bei den Ermittlungen nötig sind.
- Dynamische Überwachung erfordert umfangreichere, mehrdimensionale Daten.
Statische, regelbasierte Batch-Überwachung gilt zusehends als veraltet. Um spontan und präzise erkennen zu können, müssen Institute Transaktionsdaten mit Verhaltens-, Kontext- und KYC-Information kombinieren und ad hoc ein umfassenderes Risikoprofil erstellen.
- Die Integration von Risikobereichen löst Silos auf.
Daten zu Betrug- und Geldwäscheprävention, Sanktionen und zur Kundenannahme werden allzu oft getrennt verwaltet. Durch deren Zusammenführung können Finanzinstitute Auffälligkeiten besser verknüpfen, verborgene Muster aufdecken und verdächtige Verhaltensweisen erkennen, sobald diese während der Kundenbeziehung auftreten.
- KI und GenAI steigern die Produktivität der Ermittlung.
Obwohl vollständige Automatisierung bisher nicht erreicht ist, werden KI-gesteuerte Werkzeuge zusehends zur Unterstützung der Ermittler eingesetzt, um Auffälligkeiten zusammenzufassen, Fallbeschreibungen zu erstellen, Unterlagen zur Sorgfaltspflicht anzureichern und beim Priorisieren der Arbeitslast zu helfen. Menschliche Aufsicht bleibt dabei zentral für Compliance-Standards und Vertrauenswürdigkeit.
„KI bedeutet eine Revolution für das Daten-Management. Die größte Veränderung wird die ganzheitliche Sichtweise und Verwaltung der Kundenbeziehung betreffen.“ — Anne-Catherine Colleau, Leiterin der Abteilung Group Financial Security bei BNP Paribas, ACAMS The Assembly Europe.
Durchgehende Arbeitsabläufe bei der Ermittlung verbessern die Risikotransparenz.
Letztlich ermöglicht die Integration dynamischer Daten-Feeds, KI-gestützter Verknüpfungs- und Verhaltensanalysen den Instituten den Übergang von fragmentierten, reaktiven Untersuchungen zu einer proaktiven, ganzheitlichen Fallbearbeitung, bei der systemübergreifende Zusammenhänge erkannt, Untersuchungen beschleunigt und die Entscheidungsqualität verbessert werden.
3. Das neue Gesicht von KYC: von statischen Prüfungen zu dynamischer Intelligenz
Da die Methoden der Finanzkriminalität immer ausgefeilter werden, entwickelt sich Know Your Customer (KYC) von statischen Momentaufnahmen zum kontinuierlichen, dynamischen Verständnis der Kunden und ihrer Netzwerke.
- Netzwerkanalysen ändern die Art der Bewertung des Kundenrisikos durch die Institute.
Herkömmliche KYC-Systeme konzentrierten sich oft ausschließlich auf Daten einzelner Kunden. Heutige auf KI und Graphanalyse fußende Technologie bildet zusehends komplexe Beziehungen von Eigentümerstrukturen, Gegenparteien und verbundenen Unternehmen ab und deckt hierbei verborgene Verbindungen auf, die organisierte kriminelle Netzwerke, Sanktionsumgehung, Betrugsnetzwerke oder ausgeschiedene Kunden betreffen. Die Fähigkeit, komplexe Unternehmensverflechtungen zu entwirren und die letztlich wirtschaftlichen Berechtigten (UBOs) länderübergreifend zu identifizieren, wird für die Kundenaufnahme und kontinuierliche Überwachung immer wichtiger.
- Dynamische Verhaltensüberwachung ermöglicht kontinuierliche KYC-Aktualisierung.
Behörden wie die französische Zentralbank befürworten Instrumente, die Institute zur besseren Beachtung der AML/CTF-Vorschriften bewegen und die KYC aufgrund von Kundenverhalten, Transaktionsmustern oder Änderungen der Risikoprofile aktualisieren.
- Erweiterte Sorgfaltspflicht (EDD) für Krypto-Kunden.
Für Anbieter von Dienstleistungen im Bereich virtueller Vermögenswerte (VASPs) setzen die Aufsichtsbehörden höhere Standards durch und verlangen von VASPs die Beachtung strenger AML/CFT-Vorschriften, einschließlich KYC, der Meldung verdächtiger Transaktionen sowie der Identitätsprüfung bei Transaktionen über 1.000 EUR.
4. Krypto-Compliance: neue Risiken, neue Regeln
Obwohl Krypto-Compliance einen bestimmten Reifegrad erreicht hat, kämpft sie weiterhin mit sich schnell entwickelnden Geldwäschetaktiken, fragmentierten Tools und der Komplexität grenzüberschreitender Sachverhalte.
- Die Aufsichtsrolle von MiCAR und AMLA:
Zur Unterstützung der AML/CFT-Vorschriften führt die MiCAR-Verordnung der EU einen einheitlichen Rahmen für die Krypto-Regulierung in der EU ein. Die AMLA wird die Sorgfaltspflichten für den Krypto-Bereich weiter durchsetzen, risikoreiche Institute beaufsichtigen und den Datenaustausch koordinieren.
- Schwierigkeiten beim Umsetzen der FATF-Travel-Rule (Empfehlung 16):
Obwohl die Travel-Rule im Januar 2025 in Kraft trat, bestehen nach wie vor Interoperabilitätslücken aufgrund fehlender einheitlicher Datenaustauschprotokolle im Krypto-Bereich.
- Onboarding von VASP und fortlaufende KYC-Prüfung:
Krypto-Anbieter unterliegen nun ähnlichen AML-Standards wie Banken, einschließlich CDD, STR-Meldungen und der fortlaufenden Überwachung von Transaktionen und Gegenparteien.
- Neue Methoden von Geldwäsche per multiplen Blockchains:
Privacy Coins, DeFi-Protokolle, selbst gehostete Wallets und sich über multiple Blockchains spannende Brücken werden zunehmend genutzt, um Transaktionen zu verschleiern, Blockchain-Analysen und KI hingegen, um verdächtiges Verhalten und Muster in fragmentierten Umgebungen aufzudecken.
5. Vision der AMLA und Aufstieg der intelligenten Aufsicht
Zwar ist die Gründung der AMLA ein Meilenstein auf dem Weg Europas zu einer einheitlichen Aufsicht im Bereich der Finanzkriminalität, doch bestehen weiterhin Bedenken hinsichtlich Flexibilität, Datenaustausch und Verhältnismäßigkeit der Durchsetzung.
- Direktes Aufsichtsmodell der AMLA für risikoreiche Institute:
Aufgrund des Einheitlichen Aufsichtsmechanismus (SSM) der EU wird die AMLA ab 2028 40 risikoreiche, grenzüberschreitend tätige Finanzinstitute direkt beaufsichtigen und hierbei die Zuständigkeit von den nationalen Aufsichtsbehörden und der EBA übernehmen.
- Die Rolle von Artikel 75 für regulierten Informationsaustausch:
Artikel 75 der DSGVO schafft den rechtlichen Rahmen für den transnationalen, regulierten, datenschutzkonformen Datenaustausch zwischen Banken und Aufsichtsbehörden für gemeinsame Ermittlungen
- Bedenken nationaler Aufsichtsbehörden – Kluft zwischen zentralen Vorgaben und lokaler Risikorealität:
Während die Harmonisierungsbemühungen gelobt werden, äußerten einige Aufsichtsbehörden Bedenken hinsichtlich zu starker Vorschriftsorientierung, der Belastung der Ressourcen sowie der Berücksichtigung örtlicher Gegebenheiten durch den EU-weiten Rahmen.
„Zwar ist die Harmonisierung von großer Tragweite, bindet aber auch enorme Ressourcen, um die Anforderungen des AMLA zu erfüllen.“ – Tony Cahalan, Irische Zentralbank
6. Zusammenarbeit und Konvergenz: Abbau von Compliance-Silos
Da Finanzkriminalität immer komplexer wird, sind fragmentierte Ansätze bei Aufdeckung und Ermittlung nicht mehr tragbar. Bedrohungen erstrecken sich auf verschiedene Kanäle, Produkte und Rechtsräume, wodurch interne Integration wie externe Zusammenarbeit entscheidende Bedeutung gewinnen.
- Abbau interner Silos: Heutige KI-gestützten Plattformen sind zusehends in der Lage, fragmentierte Datenströme aus den Bereichen Betrugs- und Geldwäscheprävention, Sanktionen und KYC in gemeinsamen Ermittlungsumgebungen zusammenzuführen. Domänenübergreifende Entitätsauflösung, Verhaltensanalysen und Netzwerkerkennung führen Risikosignale zusammen und bieten einen umfassenden ad-hoc-Überblick über das Risiko der Finanzdelikte.
- Öffentlich-private Partnerschaften in der Praxis: Programme wie das Projekt ASSET (Europol) oder die irische Harcourt-Initiative zeigen, wie koordinierte Bemühungen von Strafverfolgungs- und Aufsichtsbehörden, NGOs und der Wirtschaft Ermittlungen beschleunigen, Vermögenswerte einfrieren und kriminelle Netzwerke zerschlagen können.
- Ausgleich zwischen Datenaustausch und Datenschutz: Der grenzüberschreitende Austausch von Erkenntnissen stellt nach wie vor ein rechtliches Problem dar. Artikel 75 der DSGVO bietet ein Modell für den Ausgleich zwischen Datenschutz und dem geregelten Informationsaustausch zwischen Instituten und Behörden.
Auf dem Weg zu ganzheitlichen Unternehmensrisikoplattformen: Integrierte Plattformen, die Daten zu Betrug, Geldwäscheprävention, Sanktionen und KYC miteinander verknüpfen, gelten zunehmend als unverzichtbar für eine unternehmensweite Risikoüberwachung und eine effektivere, ganzheitliche Prävention von Finanzdelikten.
Fazit
Da die Finanzkriminalität immer raffinierter und transationaler wird, stehen Compliance-Abteilungen unter massivem Druck, sich entsprechend weiterzuentwickeln. Die Schlüsselbegriffe sind hier:
- Mehr Echtzeit.
- Mehr Intelligenz.
- Mehr Zusammenarbeit.
Die Themen, die sich aus den Konferenzen herauskristallisieren, sind nicht rein theoretischer Natur, sondern prägen die aufsichtsrechtlichen Erwartungen und bestimmen, welche zukunftsfähige Compliance-Funktionen Effektivität und Vertrauen in einem sich rasch wandelnden Umfeld gewährleisten.
Bei IMTF folgen wir nicht bloß den Trends: wir prägen sie mit!
Denn Siron®One ist die erste tatsächlich ganzheitliche Plattform zur Prävention von Finanzkriminalität, die auf die Compliance-Herausforderungen der nächsten Generation ausgelegt ist. Durch Integration von KI, regelbasierter Erkennung, intelligenter Automatisierung und Entscheidungen per menschlicher Aufsicht in einer modularen Lösung sorgt Siron®One für unübertroffene Präzision, Skalierbarkeit und Effizienz sowie dafür, dass Institute in einem zusehends komplexen aufsichtsrechtlichen Umfeld stets die Übersicht behalten.
Sprechen Sie uns an und schauen Sie selbst, wie Siron®One Ihre Compliance zukunftssicher macht.
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