Interview: Gil Irizarry, CIO von Babel Street, über den Abgleich chinesischer Namen

Obwohl der Namensabgleich ein zentraler Bestandteil von Compliance-Prozessen wie dem Kunden-Onboarding und dem Sanktions-Screening ist, stellt dieser eine erhebliche Herausforderung dar, da Namen auf verschiedenste Weise geschrieben werden können. Bei nicht-lateinischen Schriftsystemen und Bildzeichen, etwa im Chinesischen, ist wird die Angelegenheit zudem noch komplexer.

Das von Babel Street unterstützte Namensabgleichssystem in Siron®One ist äußerst präzise beim Identifizieren von Namen. Herkömmliche Verfahren bei chinesischen Schriftzeichen und Bildzeichen, z.B. der fehlertolerante Namensabgleich, stoßen jedoch an Grenzen, dauern lange und sind nicht verlässlich.

In folgendem Interview erläutert Gil Irizarry, CIO von Babel Street, warum der Namensabgleich bei chinesischen Schriftsystemen und Bildzeichen besonders problematisch ist. Er zeigt die Grenzen des klassischen fehltertoleranter Verfahrens auf und erklärt, wie Babel Streets einzigartiger hybride paarweiser Abgleich präzise Ergebnisse in unter einer Sekunde liefert.

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Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung des Interviews:

Chinesische Schriftsysteme und ihre Komplexität verstehen

Frage 1: Geben Sie uns einen Überblick über die Komplexität chinesischer Schriftsysteme und Bildzeichen, ihre Verwendung in den Sprachen anderer Länder sowie über den Einfluss von Kultur, Geschichte und Politik auf diese Sprachen.

Antwort:

„Das chinesische Schriftsystem ist mehr als 4.000 Jahre alt und hat sich aus Piktogrammen zu stilisierten Bildzeichen entwickelt. Es hat zahlreiche Sprachen in Asien beeinflusst: In China werden Hanzi verwendet, Japan übernahm Kanji, Korea verwendet Hanja, und auch traditionelles Vietnamesisch verwendet chinesische Schriftzeichen. Die Komplexität dieser Zeichen ist sehr vielfältig. Einige bestehen aus bis zu 172 Strichen. Zudem ist Chinesisch eine tonale Sprache, bei der sich die Bedeutung abhängig von Betonung oder Tonhöhe ändert. Dies führt bei der Transliteration in lateinische Schrift zu zusätzlichen Problemen. Für eine korrekte Wiedergabe ist es daher entscheidend, ob es sich um chinesische, japanische oder koreanische Schriftzeichen handelt.“

Schwierigkeiten bei der Transliteration von Han-Schrift in lateinische Schrift

Frage 2: Welche Schwierigkeiten bestehen beim Transliterieren von auf Han-Schrift basierenden Sprachen sowie beim Übertragen in lateinische Schrift und aus dieser?

Antwort:

„Transliteration unterscheidet sich von Übersetzung: Sie überträgt Schriftzeichen eines Schriftsystems in ein anderes, aber nicht die Bedeutung. Die chinesische Hauptstadt 北京 wird beispielsweise als ‚Beijing‚ transliteriert und nicht als ‚Nördliche Hauptstadt‘ übersetzt. Romanisierungssysteme wie Pinyin verwenden Tonzeichen, um die Aussprache möglichst genau wiederzugeben. Bei der Transliteration japanischer und koreanischer Wörter sind solche Tonzeichen dagegen nicht erforderlich. Die zentrale Herausforderung besteht darin, die korrekte Darstellung sicherzustellen und dabei die sprachliche Integrität zu wahren.„

Fehlertoleranter Namensabgleich und dessen Bedeutung für nicht-lateinische Schriften

Frage 3: Was ist fehlertoleranter Namensabgleich, wie funktioniert er und wie wirksam ist er bei nicht-lateinischen Schriften?

Antwort:

„Der fehlertolerante Namensabgleich erkennt Namen trotz unterschiedlicher Schreibweise, Transkription oder Transliteration. So kann der Name ‚Sophia‘ mit ph oder mit f geschrieben werden. Dies ist besonders bei nicht-lateinischen Schriften relevant, da oft mehrere Transliterationsstandards existieren. Der chinesische Nachname ‚Wu‘ kann etwa als W-U oder W-O-O wiedergegeben werden. Auch der arabische Name ‚Muhammad‘ kann u.a. als Mohammed, Muhammed oder Mohammad wiedergegeben werden. Der fehlertolerante Namensabgleich berücksichtigt solche Varianten und verbessert so die Genauigkeit der Identitätsprüfung.“

Paarweiser Abgleich bei chinesischen Namen

Frage 4: Was versteht man unter paarweisem Abgleich und wie löst dieser die Schwierigkeiten bei der Transliteration chinesischer Namen?

Antwort:

„Paarweiser Namensabgleich ist eine spezialisierte Form des fehlertoleranten Abgleichs, bei dem zwei Namen auf ihre Ähnlichkeit geprüft werden. Das Verfahren dient als zusätzliche Plausibilitätsprüfung und stellt sicher, dass verschiedene Namensvarianten erkannt werden. Der Name ‚Yang‘ kann beispielsweise als Y-A-N-G oder Y-O-N-G transliteriert werden. Der paarweise Namensabgleich hilft bei der Frage, ob sich beide Schreibweisen auf dieselbe Person beziehen und verbessert so die Zuverlässigkeit der Transliteration chinesischer Namen in aufsichtsrechtlichen Anwendungsfällen.“

Die hybride Zwei-Pass-Methode für den Namensabgleich

Frage 5: Wie funktioniert die hybride Zwei-Pass-Methode, in welchem Umfang reduziert sie falsch-positive und falsch-negative Treffer und wie viel zusätzliche Zeit benötigt der Namensabgleich mit diesem Verfahren?

Antwort:

„Der von Babel Street unterstützte Namensabgleich in Siron®One verwendet zwei Stufen, um Präzision und Trefferquote zu optimieren. In der ersten Stufe werden mittels Hashing breitgefasste potenzielle Übereinstimmungen ermittelt. In der zweiten Stufe kommen zur weiteren Verbesserung der Genauigkeit KI- und ML-Algorithmen zum Einsatz. Das Verfahren verbindet Geschwindigkeit mit Präzision und liefert Ergebnisse binnen Millisekunden. Das System ist darauf ausgelegt, große Mengen an Namen effizient zu verarbeiten und dabei falsch-positive und falsch-negative Treffer zu reduzieren.“

Tiefe neuronale Netze für den Abgleich japanischer Namen

Frage 6: Berichten Sie uns über das tiefe neuronale Netz, das Sie für den Abgleich japanischer Namen trainiert haben.

Antwort:

„Klassisch versteckte Markow-Modelle (HMMs) prognostizieren Zeichenfolgen nach Wahrscheinlichkeiten. Tiefes Lernen verbessert die Genauigkeit durch Berücksichtigung vollständiger Wortsequenzen. Babel Street hat speziell für den Abgleich von Katakana mit lateinischer Schrift ein solches Modell entwickelt, das im Vergleich mit der einfachen zeichenweisen Transliteration eine höhere Genauigkeit bietet und den Namensabgleich in japanischen Anwendungen erheblich verbessert.„

Weiterentwicklungen des aufsichtsrechtlichen Namensabgleich

Frage 7: Welche Entwicklungen und Meilensteine sind geplant und wie verbessern diese den Namensabgleich?

Antwort:

„Babel Street entwickelt seinen Namensabgleich laufend weiter und konzentriert sich dabei insbesondere auf folgende Bereiche:

  • Geschwindigkeitsoptimierung: Einsatz GPU-beschleunigter Verarbeitung für nahezu sofortige Ergebnisse.
  • Erweiterung der Sprachunterstützung: das System unterstützt derzeit über 25 Sprachen; weitere kommen hinzu.
  • Dynamische Modelle zur Namenshäufigkeit: Anpassung an neue Namensmuster, die durch Migration und Globalisierung entstehen.
  • Anpassbare Modelle: Benutzer können die Modelle anhand spezifischer regionaler Daten individuell konfigurieren und optimieren.

Diese Weiterentwicklungen ermöglichen ein schnelleres und präziseres Regulat.

Das vollständige Interview finden sie hier.

Lesen Sie auch unseren Blog-Artikel: Probleme beim Namensabgleich mit chinesischen und nicht-lateinische Schriftzeichen und deren Lösung.