Compliance im Bereich Finanzkriminalität: Rückblick auf 2025 und Trends für 2026  

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Kernaussagen:

  • Methoden und Muster der Finanzkriminalität entwickeln sich mit beispielloser Geschwindigkeit weiter. Hierdurch wird die ehemals auf Prüflisten fußende Compliance risikobasiert, während reaktive Kontrollen an Wirksamkeit verlieren.
  • Wichtige aufsichtsrechtliche Meilensteine im Jahr 2025 – DORA, MiCA, Fortschritte beim einheitlichen EU-Regelwerk und der Start von AMLA haben den Wandel zu einheitlichen, datengesteuerten Praktiken beschleunigt, die ganze Geschäftssystems umfassen.
  • KYC entwickelt sich von periodischer Prüfung zum permanenten dynamischen Monitoring, um Verhaltensanomalien schneller zu erkennen. Zudem sorgen netzwerkbasiertes KYC und strukturierter Datenaustausch für geringere rechtsraumübergreifende Risiken.
  • Krypto- und digitale Vermögenswerte sind inzwischen integrierter Teil der Compliance-Umgebung und eröffnen neue Risikodimensionen bei der Überwachung von Finanztransaktionen durch Finanzinstitute.
  • Der Einsatz von KI beschleunigt sich im gesamten Compliance-Bereich, erfordert jedoch stärkere Governance, Erklärbarkeit, Modellkontrolle und menschliche Einfgriffsoptionen.
  • Compliance wird multidisziplinärer und kombiniert bislang getrennte Domänen zu einem einheitlichen Betriebsmodell. Kompetenzaufbau wird entscheidend für die effektive Arbeit von Teams in sich schnell entwickelnden digitalen und aufsichtsrechtlichen Geschäftssystemen.
  • Ganzheitliche und dauerhafte Compliance wird zum neuen Standard. Institute bewegen sich von fragmentierten Kontrollen zu funktionsübergreifenden Geschäftssystemen, die AML, Sanktionen, Betrug, KYC und Risikoaufklärung während der gesamten Kundenbeziehung miteinander verbinden.

2025 setzte sich der Wandel der Compliance für Finanzdelikte vom reaktiven, auf Prüflisten fußenden Prozessen zu proaktivem, datengesteuerten Risiko-Management fort. Echtzeitüberweisungen, zunehmende geopolitischen Spannungen und sich rasch ändernde Methoden bei den Delikten haben herkömmliche regelbasierte Ansätze an ihre Grenzen gebracht. Institute bauten daher auf KI-gesteuertes Monitoring, Verhaltensanalyse und dynamisches Risiko-Scoring, um Anomalien im Moment ihrer Entstehung zu erkennen.

Eine weitere bedeutende Entwicklung bestand im verstärkten Fokus auf aufsichtsrechtlicher Harmonisierung. Von Transparenz bei wirtschaflich Berechtigten bis zu grenzüberschreitenden Verpflichtungen bei CASPs (Crypto-Asset Service Providers) intensivierten Behörden ihre Bemühungen, Erwartungen zu standardisieren und die koordinierte Aufsicht zu stärken.

Die skizzierten Entwicklungen machten fragmentierte Ansätze zunehmend untragbar. Finanzinstitute tendieren heute zu integrierten, funktionsübergreifenden Geschäftssystemen, die AML, KYC, Sanctionen und Betrug miteinander verbinden, um eine ganzheitliche Sicht auf die Risiken zu erhalten und die operationelle Widerstandsfähigkeit zu stärken. 

Aufsichtsrechtliche Lage 2025  

Geopolitische Spannungen, zunehmende Sanktionen, der Aufstieg von KI sowie wachsende Märkte für digitale Vermögenswerte haben aufsichtsrechtliche Aktivitäten stimuliert. Supervisoren forderten schnellere, transparentere und stärker technologiefokussierte Compliance. Das Ergebnis war ein Jahr, das von wichtigen gesetzlichen Meilensteinen und verstärkter grenzübergreifender Koordination geprägt war.

  • DORA – Gesetz über die digitale operative Resilienz im Finanzsektor  
    DORA trat am 17. Januar 2025 in Kraft und verpflichtet alle Finanzinstitute der EU, ihr IKT-Risiko-Management zu stärken, Resilienzprüfungen durchzuführen, Vorfälle zu melden und kritische IKT-Drittdienstleister in einem einheitlichen Regelrahmen zu überwachen. Das Ziel: den Geschäftsbetrieb aufrechterhalten und Widerstandsfähigkeit gegenüber wachsenden Cyber-Risiken, einschließlich DDoS-Angriffen und Lieferkettenschwachstellen, ausbauen.

  • Einheitliches EU-Regelwerk und die AMLA-Behörde    
    Die AMLA nahm am 1. Juli 2025 ihren Betrieb in Frankfurt auf. Sie übernimmt schrittweise die direkte Aufsicht über hochriskante und grenzübergreifend agierende Entitäten und soll die Durchsetzung in der Praxis innerhalb der EU harmonisieren. Das im im Juli 2027 in Kraft tretende einheitliche Regelwerk will nationale Unterschiede beseitigen und die Mitgliedsstaaten auf einheitliche AML/CFT-Maßnahmen verpflichten.

  • Verordnung über Echtzeitüberweisungen  
    Seit dem 9. Januar 2025 müssen alle Zahlungsdienstleister der EU in der Lage sein, Echtzeitüberweisungen zu empfangen. Seit dem 9. Oktober 2025 müssen sie diese zudem auch senden können, einschließlich des verpflichtenden IBAN-Name-Abgleichs, um fehlgeleiteten Überweisungen vorzubeugen. Dadurch hat sich der Bedarf an Echtzeit-AML und Betrugsüberwachung erheblich vergrößert.

  • Regulierung von Krypto-Werten (MiCA) und deren Durchsetzung
    Die MiCA-Verordnung erreichte 2025 ihre vollständige Anwendbarkeit. Sie macht die Zulassung für alle CASPs (Crypto-Asset Service Providers) verpflichtend und stellt strenge Anforderungen an Kundengeldsicherung, finanzielle Stabilität, Transparenz und Marktintegrität. Die Aufsichtstätigkeit in Europa hat sich im Juli 2026 mit der MiCA-Übergangsfrist für die Niederlande intensiviert.   

  • Europäische KI-Verordnung
    Im Lauf des Jahres 2025 traten mehrere Verpflichtungen aus der KI-Verordnung der EU in Kraft. Ein Meilenstein war die Genehmigung des Verhaltenskodexes für KI-Modelle mit allgemeinem Verwendungszweck durch die Kommission am 1. August, der Leitlinien zur Transparenz, Urheberrecht und Sicherheit enthält. Finanzinstitute müssen sich nun auf Anforderungen zum KI-gesteuerten Risiko-Management, zur Dokumentation und menschlichen Eingriffsoptionen vorbereiten.

Compliance-Trends 2025

Die dominierenden Trends für die Compliance im Jahr 2025 waren KI-gesteuerte Compliance, die Vorbereitung auf neue Zahlungskanäle (z.B. Crypto), der Umgang mit grenzüberschreitenden Geldflüssen sowie die zunehmende Komplexität von Betrugs-, Sanktions und Deliktsmethoden.

  • Neue Bedrohungsmuster verzeichnen 2025 eine rasante Entwicklung. Hybride, bereichsübergreifende Muster breiteten sich in Bezug auf Betrug, Geldwäsche, Sanktionen und Krypto aus, machten herkömmliche Kontrollen obsolet und erhöhten die Erwartungen der Aufsichtsbehörden. Kriminelle Taktiken wurden anspruchsvoller, darunter: betrugsgesteuerter Geldwäschefluss: Betrugsmaschen → Finanzagenten → Krypto → Echtzeitauszahlung
    – Finanzagentennetzwerke und synthetische Identitäten
    – Handelsbasierte Geldwäsche
    – Finanzierung von Lieferketten und Missbrauch von Handelsflüssen
    – Geldwäsche mittels dezentraler Finanzmärkte und blockchain-übergreifende Verschleierung
    – Sanktionsumgehung über Briefkastenfirmen mittels verschachtelter Eigentümerstrukturen
    – KI-gestützter Identitätsbetrug und Identitätstäuschung mittels Deepfakes
    – Geldwäsche über Echtzeitüberweisungen, bei dem Gelder binnen Minuten über mehrere Institute bewegt werden

  • Krypto-Risiken haben sich weiter verschärft, da digitale Vermögenswerte zunehmend in Finanzflüsse eingebettet werden. Kriminelle nutzten zusehends blockchain-übergreifende Token-Tausche, Mixer und Krypto-Brückenprotokolle, um die Nachverfolgbarkeit zu verhindern. Häufig kombinierten sie herkömmlichen Betrug mit Krypto-Verschleierung für die Schaffung schneller hybrider Methoden. Mit der Durchsetzung von MiCA und der verschärften Aufsicht durch globale Aufsichtsbehörden ist die Krypto-Exposition zu einem strukturellen Risiko geworden, das permanente Überwachung und Verhaltensanalyse von Fiat-Währungen und digitalen Kanälen erfordert.

  • Prüfung auf negative Medienberichte
    Aufsichtsbehörden wie die EU-Kommission, FinCEN, BaFin und OFAC haben bekräftigt, dass das Screening negativer Medienberichte heute ein zentraler Bestandteil der Sorgfaltspflichten gegenüber dem Kunden und des dauerhaften Monitorings ist, weshalb dieses seitens der Institute zur kontinuierlichen Aktualisierung der Risikoprofile der Kunden und zur Verankerung als zentrales Elemenet risikobasierter Compliance weiter ausgebaut wurde.

  • Echtzeiterkennung und 360°-Sicht auf die Risiken  
    Mit Echtzeitüberweisungen, sich entwickelnden kriminellen Methoden und steigenden Aufsichtserwartungen ist datengesteuerte Echtzeiterkennung entscheidend geworden, um eine faktische 360°-Sicht der Risiken während der gesamten Dauer der Kundenbeziehung zu gewährleisten. Institute setzen zunehmend auf Verhaltensanalysen, Entitätsauflösung, Netzwerkerkenntnisse und kontextbezogene Fallanalyse, um Anomalien schneller zu erkennen und Verzögerungen bei Untersuchungen zu reduzieren.

  • Künstliche, agentische und erweiterte Intelligenz in der Compliance  
    Die Nutzung von KI hat sich 2025 deutlich beschleunigt, mit einem breiteren Einsatz von maschinellem Lernen für Verhaltens-Monitorung, Anomalieerkennung, Auffälligkeitspriorisierung und Ermittlungsunterstützung. Während agentische KI neue Möglichkeiten der Automation eröffnete, setzten Institute weiterhin auf Eingreifsoptionen für Menschen, um für Transparenz, Erklärbarkeit und verantwortungsvolle Entscheidungen zu sorgen.

  • Zusammenarbeit und Konvergenz der Risikobereiche
    Zusammenarbeit wird in der modernen Compliance bei Finanzdelikten zur Notwendigkeit. 2025 haben wir daher bei den Instituten verstärkte Bemühungen gesehen, interne Silos abzubauen und integrierte Risikofunktionen zu entwickeln, die AML-, Sanktions-, Betrugs- und Cyber-Teams miteinander verbinden. Auch wurden öffentlich-private Partnerschaften eingegangen und Netzwerke zum Informationsaustausch in verschiedenen Regionen ausgebaut, getrieben durch den aufsichtsrechtlichen Druck Richtung stärker erkenntnisgesteuerter und koordinierter Aufsicht.

Ausblick und Vorbereitung

2026 markiert einen entscheidenden Wandel von der Anpassung an neue Regeln zum Betrieb unter vollständiger aufsichtsrechtlicher Durchsetzung. Da DORA bereits in Kraft ist, MiCA in die finale Implementierungsphase eintritt und AMLA die Aufsichtsrolle weiter ausbaut, sind Institute mit strengerer Prüfung und deutlich weniger Toleranz gegenüber Compliance-Lücken konfrontiert.

Zudem werden geopolitische Volatilität, die kontinuierliche Verschärfung der Sanktionsgesetzgebung sowie die wachsende Komplexität für digitale Vermögenswerte die Compliance-Teams Richtung Echtzeit-Monitoring, stärkerer Netzwerkanalyse und umfassender KI-Integration bewegen.

Um resilient zu bleiben, benötigen Organisationen integrierte, datengestützte Risikorahmen, stärkere Koordination verschiedener Domänen und eine multidisziplinärere Compliance, die in der Lage ist, sich spontan herausbildenden Bedrohungen zuvorzukommen.

  • Übergang zur vollumfänglichen Rechtsdurchsetzung  
    DORA und MiCA sind nun vollständig in Kraft. Auch die AMLA-Aufsicht wird weiter an Fahrt aufnehmen. Institute müssen sich auf strengere Prüfung und null Toleranz für Compliance-Lücken vorbereiten.

  • Sanktionsanforderungen eskalieren 
    Anhaltende geopolitische Instabilität und Sanktionsumgehung, häufig im Verein mit komplexen Eigentümerstrukturen, internationalen Überweisungen oder DeFi-Kanälen, bedingen einen stärkeren aufsichtsrechtlichen Fokus. Anfang 2026 hat Großbritannien seine Sanktionsliste konsolidiert und auch weltweit ist mit der Verschärfung von Sanktionen zu rechnen. Institute benötigen Echtzeit-Screening, permanentes Monitoring und Risikoanalysen von Netzwerken, um Schritt zu halten.

  • Wachsende globale Standardisierung und Koordinierung
    Während mehr Rechtsräume Erkenntnisse teilen und die Aufsicht koordinieren, wird sich weiterhin und in größerem Maß an FATF-Standards ausgerichtet. Institute sollten sich daher auf harmonisierte Berichtsanforderungen sowie interoperable Datenmodelle vorbereiten.

  • Beschleunigter Einsatz von KI und Assistenzsystemen
    Der Einsatz von KI vertieft sich weiter, vor allem bei der Anomalieerkennung, den Verhaltensmustern und der Orchestrierung automatisierter Arbeitsabläufe. Zudem legen Aufsichtsbehörden ihren Fokus auf KI-Governance, Erklärbarkeit, Verzerrungsminderung und menschliche Aufsicht. Institute müssen klare Rahmenwerke für KI-Validierung, Monitoring und Dokumentation etablieren.

  • Übergang zur Echtzeit-Compliance und kontinuierlicher Beziehungsanalyse  
    Compliance entwickelt sich von der Überwachung einzelner Entitäten und Transaktionem zur Echtzeitüberwachung ganzer Kundennetzwerke, Transaktionsketten, Beziehungen zu Dritten, Handelsflüssen und Lieferkettenstrukturen. Moderne Fallbearbeitung, automatisierte Arbeitsabläufe, Graph-Analyse und visuelle Erkennung sind wesentlich für schnellere und fundiertere Entscheidungen.

  • Krypto, digitale Vermögenswerte, neue Zahlungsverkehrsumgebungen und digitale Zentralbankwährungen
    Digitale Vermögenswerte, Echtzeitzahlungen, tokenisierte Einlagen und CBDCs (digitale Zentralbankwährungen) formen die Transaktionsumgebungen neu und schaffen neue Risikodimensionen. Compliance-Teams müssen mit der Geldtransferverordnung, blockchain-übergreifenden Transfers, Krypto-Verschleierung und hybriden Finanzströmen Schritt halten.

  • Wandel des Compliance-Bereichs
    Compliance-Teams entwickeln sich zu multidisziplinären Einheiten, die Expertise in Bezug auf Finanzdelikte mit Data Science, Analyse, Überwachung von KI-Systemen, Sanktionsaufklärung und Cyber-Sicherheit verbinden. Kompetenzaufbau bleibt hoch priorisiert, während Institute Prozesse modernisieren und funktionale Silos zu einer kohärenten Finanz-Compliance zusammenführen.

Abschließende Perspektive

2026 ist der Wandel von durch Prüflisten gesteuerter Compliance zum aufklärungsfokussierten Echtzeitrisiko-Management nicht länger optional, sondern der neue operative Standard. Da Aufsichtsbehörden die Rechtsdurchsetzung weiter verschärfen, Sanktionen komplexer werden und digitale Finanzdelikte schneller ausgeführt werden, müssen Institute ihre Daten, Arbeitsabläufe und technologischen Fundamente stärken.

Siron®One unterstützt Finanzinstitute beim Übergang in diese neue Ära durch KI-gesteuerte Erkennung, kontextuelle Fallaufklärung und vollständig integrierte Arbeitsabläufe, die sich an aufsichtsrechtliche Erwartungen anpassen.

Durch die globale Expertise von IMTF, Trainings und stetige Kundenerfolgsprogramme können Compliance-Teams ihre Operationen selbstbewusst modernisieren und dabei Transparenz schaffen sowie die Kontrolle durch menschliche Aufsicht bewahren.

Wenn Sie sich tiefer mit diesen Entwicklungen befassen und sehen wollen, was diese für Sie bedeuten, besuchen Sie unser Webinar Compliance in Transition – Retrospective 2025 & Outlook 2026 ein.

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Sources:

  1. https://www.eiopa.europa.eu/digital-operational-resilience-act-dora_en  
  2. https://eucrim.eu/news/amla-kicks-off-work  
  3. https://www.ecb.europa.eu/paym/retail/instant_payments/html/instant_payments_regulation.en.html  
  4. https://www.esma.europa.eu/esmas-activities/digital-finance-and-innovation/markets-crypto-assets-regulation-mica  
  5. https://digital-strategy.ec.europa.eu/en/policies/contents-code-gpai