Compliance im Bereich Finanzkriminalität: Trends in Europas führenden AML-Konferenzen

Kürzlich haben unsere Teams an einigen führenden europäischen Konferenzen zur Prävention von Finanzdelikten teilgenommen (u.a. European Anti-Financial Crime Summit, ACAMS The Assembly Europe, und 4th Annual FinCrime Leaders Summit Europe).

Dort zeichnete sich eine deutliche Botschaft ab: Compliance in diesem Bereich entwickelt sich von statischen Kontrollrahmen zu adaptiven, informationsgestützten operativen Systemen, die auf echtzeitnahe, vernetzte und fragmentierte Risikoumfelder ausgerichtet sind.

Die Diskussionen gingen weit über klassische AML-Compliance-Themen hinaus. Finanzinstitute, Aufsichts- und Strafverfolgungsbehörden sowie Technologieanbieter betonten unisono die zunehmende Konvergenz von Betrug, Cyber-Kriminalität, Sanktionsumgehung, Krypto-Währungen, KI-gesteuerten Bedrohungen und geopolitischer Instabilität. Zugleich seien die Erwartungen an operative Wirksamkeit, Governance, Erklärbarkeit und Zusammenarbeit stark gestiegen.

Nachfolgend finden Sie einige der Trends zum Thema.

Kernergebnisse:

  • Die AMLA beschleunigt den Übergang zu einer stärker zentralisierten, datengesteuerten und operativ ausgerichteten AML-Aufsicht in Europa.

  • Risiken im Bereich Finanzkriminalität sind aufgrund der Verschmelzung von Betrug, Sanktionsumgehung, Cyber-Kriminalität, KI-gestützten Bedrohungen und geopolitischer Instabilität zusehends verknüpft.

  • KI in der Compliance entwickelt sich von der Experimentierphase zur operativen Umsetzung mit einem wachsenden Fokus auf Erklärbarkeit, Governance und menschliche Aufsicht.

  • Kollaborativer Intelligenz, öffentlich-privaten Partnerschaften und dem unmittelbaren Informationsaustausch kommen die entscheidende Rolle zu, sich gegen zusehends transnationale kriminelle Netzwerke zur Wehr zu setzen.

  • Da Finanzkriminalität menschliche Verletzlichkeit zunehmend ausnutzt, etwa durch Betrugsmaschen, Deepfakes, Menschenhandel und digitale Ausbeutung, sind angepasstere und informationsgestützte Erkennungsmodelle erforderlich.

1. AMLA und der Übergang zur operativen Effizienz

Eines der wichtigsten Themen auf den Konferenzen war die wachsende Operationalisierung der AMLA sowie der breitere Übergang zu einem stärker zentralisierten und harmonisierten europäischen Modell der AML-Aufsicht.

Während sich frühere Diskussionen weitgehend auf den aufsichtsrechtlichen Rahmen konzentrierten, spiegelten die diesjährigen Gespräche eine klare Verlagerung Richtung Umsetzung, aufsichtsrechtliche Durchführung und operative Bereitschaft wider. Immer mehr Finanzinstitute erkennen, dass die AMLA nicht bloß eine weitere Regulierungsebene einzieht, sondern die Prävention von Finanzkriminalität in Europa grundsätzlich verändern wird.

Dieser Übergang wurde durch die jüngste Veröffentlichung (Reporting Package) der AMLA noch greifbarer, welche die ersten Unternehmen identifiziert, die 2028 womöglich unter deren direkte Aufsicht fallen. Die Initiative führt standardisierte Meldevorlagen, Eignungskriterien und Schwellenwerte für grenzüberschreitende Aktivitäten ein und zeigt damit, wie schnell sich die AMLA von der Ausgestaltung des Rahmens in Richtung konkreter aufsichtsrechtlicher Umsetzung bewegt.

Ferner machten die Diskussionen deutlich, dass diese Transformation die Erwartung an Datenqualität, Berichtskonsistenz und operative Transparenz erheblich erhöht. Da Compliance-Rahmenwerke stärker zentralisiert und von Daten gesteuert werden, gelten fragmentierte Systeme und isolierte Compliance-Prozesse zusehends als strukturschwach und nicht mehr bloß operativ ineffizient.

Insgesamt herrschte auf den Konferenzen ein weitgehender Branchenkonsens: Europas AML-Rahmenwerk tritt in eine Phase ein, in der aufsichtsrechtliche Wirksamkeit, operative Resilienz sowie die Steuerung von Risiken der Finanzkriminalität und verschiedener Rechtsräume zu kritischen Differenzierungsmerkmalen für Finanzinstitute werden.

2. Geopolitische Fragmentierung, Sanktionsumgehung und handelsbasierte Finanzkriminalität

Ein weiteres wichtiges Thema in diesem Jahr war die wachsende Komplexität der Sanktionsdurchsetzung und der Fragmentierung des geopolitischen Umfelds.

Während auf Russland bezogene Sanktionen weiterhin die Großwetterlage bestimmten, wurde darauf verwiesen, dass der Sanktionsfokus nicht auf einen einzigen geopolitischen Kontext liegen sollte. Iran und Venezuela wurden wiederholt als Bereiche genannt, in welchen sich Risiken der Sanktionsumgehung weiter schnell entwickeln.

Die Beiträge erläuterten, wie fragmentierte internationale Abstimmung Möglichkeiten für Umgehungsnetzwerke eröffnet, in Rechtsräumen mit unterschiedlichen Durchsetzungsansätzen zu operieren. Mehrere Beispiele wurden genannt, darunter:

  • Schattenflotten zur Erleichterung von Öltransfers
  • Komplexe Netzwerke aus Vermittlern und Scheinfirmen 
  • Handelsbasierte Sanktionsumgehung  
  • Krypto-gestützte Sanktionsumgehung 
  • Grenzüberschreitende Unterstützungssysteme unter Beteiligung mehrerer Rechtsräume

Auch handelsbasierte Geldwäsche (Trade-Based Money Laundering, TBML) war ein zentrales Thema, vor allem aufgrund wachsender Komplexität internationaler Handelssysteme sowie der Netzwerke zur Sanktionsumgehung.

Die Diskussionen verdeutlichten, dass KI verstärkt zum Einsatz kommt, um Anomalieerkennung, die Analyse von Dokumenten sowie kontextbezogene Intelligenz in komplexen Handelsumfeldern zu unterstützen.

3. KI-gesteuerte Compliance: von der Experimentierphase zur Operationalisierung  

Obwohl KI nach wie vor ein Kernthema war, hat sich die Art der Diskussion deutlich weiterentwickelt.

So drehte sich die Debatte nicht mehr vornehmlich um die Frage, ob KI in der Compliance eingesetzt werden sollte. Vielmehr lag der Fokus auf der Operationalisierung. Wenn sie messbaren Mehrwert schafft: Wie ist sie verantwortungsvoll zu steuern und sicher in operative Arbeitsabläufe zu integrieren?

Mehrere Präsentationen zeigten, wie KI für die Ermittlungs- und Compliance-Teams eingesetzt werden kann, u.a. durch:

  • KI-gesteuerte Priorisierung von Auffälligkeiten
  • Dynamische Risikobewertung
  • KI-Co-Piloten und Ermittlungsassistenten  
  • Automatisierte Fallzusammenfassungen  
  • Kontinuierliche Überwachung und Anomalieerkennung 
  • Entitätsabgleich und erzeugen kontextbezogener Intelligenz  
  • KI-gesteuerte Analyse von Dokumenten und Extraktion von Daten 

Statt auf dem Ersatz für menschliche Arbeit, lag ein besonderer Fokus auf der sogenannten KI-Augmentierung. Mehrere Diskussionen unterstrichen, dass KI in der Praxis derzeit vor allem dann wertvoll ist, wenn sie Ermittlungsfähigkeiten erweitert, operative Belastungen reduziert und die Priorisierung verbessert, nicht jedoch, wenn sie versucht, hochriskante Entscheidungen vollständig zu automatisieren.

Gleichzeitig werden Governance, Erklärbarkeit und menschliche Aufsicht prioritär.

Je mehr KI in Compliance-Operationen eingebettet wird, desto stärker rücken Fragen der Erklärbarkeit, Nachprüfbarkeit, von Black-Box-Entscheidungen, operativem Vertrauen und Governance-Kontrollen in den Mittelpunkt.

Wiederholt wurde die Wichtigkeit der menschlichen Aufsicht betont, besonders bei risikoreichen oder aufsichtsrechtlich sensiblen Entscheidungen. Mehrere Beiträge hoben zudem hervor, dass KI-Governance nicht länger eine rein technologische Diskussion bleiben kann, sondern zu einem zentralen Thema für Compliance und operatives Risiko-Management werden muss.

Viele dieser Themen stehen in engem Zusammenhang mit den Diskussionen in IMTFs neuem E-Book AI & the Future of Financial Crime Compliance, das untersucht, wie Finanzinstitute KI durch Governance, Erklärbarkeit und menschenzentrierte Compliance-Modelle verantwortungsvoll operationalisieren können.

4. Datenaustausch, kollaborative Intelligenz und eingebettete Compliance-Systeme

Eine weitere wiederkehrende Botschaft auf den Konferenzen war, dass Finanzkriminalität zu vernetzt, transnational und schnelllebig geworden sei, als dass man noch isoliert gegen sie vorgehen könnte.

Da kriminelle Systeme zunehmend kollaborativ und technologiegestützt agieren, stehen Institute, Aufsichtsbehörden und Strafverfolgungsbehörden unter wachsendem Druck, den operativen Informationsaustausch und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verbessern.

Mehrere Diskussionen hoben die wichtiger werdende Bedeutung folgender Bereiche hervor:

  • Öffentlich-private Partnerschaftsinitiativen
  • Kollaborative Betrugserkennung
  • Maschinenlesbarer Informationsaustausch
  • API-gestützter Austausch von Erkenntnissen  
  • Grenzüberschreitende operative Zusammenarbeit

Der Start der neuen EU-Plattform gegen Betrugsmaschen von Europol wurde als Beispiel für den Übergang zu stärker koordinierten und informationsgestützten Systemen zur Erkennung und Verhinderung von Finanzdelikten genannt.

Zudem wurde über Entwicklungen der FATF in Bezug auf Standards für den Informationsaustausch diskutiert. Dies spiegelt die wachsende Erkenntnis wider, dass wirksame Zusammenarbeit über den herkömmlichen Melderahmen hinausgehen und sich zu operativeren, echtzeitnahen und interoperablen Intelligenzmodellen entwickeln muss.

Auch Datenqualität und Datengrundlagen zogen sich erneut als Themen durch die Diskussionen. Mehrere Vorträge betonten, dass KI-Modelle, Risiko-Scoring-Engines und Erkennungssysteme nur so wirksam sind wie die zugrundeliegenden Daten. In diesem Zusammenhang erhielten synthetische Daten eine wachsende Aufmerksamkeit, vor allem für AML-Testumgebungen, isolierte Testumgebungen, Simulation seltener Methoden oder für das Training von KI-Modellen.

Insgesamt unterstrichen die Diskussionen, dass die künftige Wirksamkeit bei der Prävention von Finanzkriminalität verstärkt davon abhängt, dass sich Institute in die Lage versetzen, hochwertige Daten, kollaborative Intelligenz, interoperable Infrastrukturen und operativen Echtzeitnformationsaustausch zu verbinden.

5. Menschliche Vulnerabilität und wachsende Finanzkriminalität

Neben Technologie und Regulierung hoben die Konferenzen auch die menschliche Dimension von Finanzkriminalität hervor.

Mehrere Sitzungen befassten sich mit dem schnellen Wachstum von Betrugsmaschen, die auf vulnerable Bevölkerungsgruppen abzielen, darunter:

  • Liebesbetrug 
  • Betrug an älteren Menschen 
  • Identitätsbetrug
  • Durch KI erzeugte Deepfakes
  • Online-Ausbeutungssysteme

Die Vorträge betonten wiederholt, dass Finanzkriminalität menschliche Verletzbarkeit vergrößert und in großem Umfang mittels digitaler Kanäle ausnutzt.

Auch Menschenhandel war ein wichtiges Thema, vor allem im Zusammenhang mit großen internationalen Ereignisse, etwa der FIFA-Weltmeisterschaft 2026. Die Diskussionen zeigten, wie diese Menschenhandelsrisiken erheblich erhöhen und komplexe grenzüberschreitende Finanzaktivitäten erzeugen können, die mit klassischen Überwachungsansätzen nur schwer zu erkennen sind.

Mehrere Diskussionsbeiträge betonten die Bedeutung einer Kombination aus Transaktionsüberwachung und breiterer kontextbezogener Intelligenz, einschließlich Verhaltensindikatoren, Mustern in Hochrisikobranchen, Daten aus Anzeigen im Bereich kommerzieller sexueller Dienstleistungen sowie sektorübergreifender Zusammenarbeit zwischen Finanzinstituten, Fintechs, Strafverfolgungsbehörden sowie NGOs.

Die Diskussionen machten zudem deutlich, dass wachsende Bedenken hinsichtlich neuer Zahlungssysteme bestehen, darunter Krypto-Währungen und Peer-to-Peer-Zahlungskanäle, die zusätzliche blinde Flecken beim Erkennen und Untersuchen von Menschenhandel erzeugen.

Insgesamt bekräftigten die Sitzungen, dass Finanzkriminalität längst nicht mehr nur ein Problem des Finanzsystems ist, sondern sich zusehends mit sozialer Verletzbarkeit, digitalem Verhalten, organisierten kriminellen Systemen sowie geopolitischer Instabilität überschneidet.

Fazit: auf dem Weg zum angepassten, informationsgestützten Compliance-System

Die Diskussionen auf allen Veranstaltungen haben deutlich gemacht, dass Compliance im Bereich Finanzkriminalität einen tiefgreifenden operativen Wandel erfährt. Die Zukunft der Financial-Crime-Compliance wird:

  • Echtzeitnäher
  • Informationsgesteuerter  
  • Kooperativer
  • Stärker durch KI erweitert
  • Operativ umfassend integriert

Zudem verlieren Governance, Erklärbarkeit, operative Resilienz und menschliche Aufsicht nicht an Bedeutung, sondern werden immer wichtiger.

Die Institute, die in diesem neuen Umfeld erfolgreich bleiben, sind nicht zwangsläufig jene mit dem größten KI-Einsatz oder der umfangreichsten Compliance-Infrastruktur. Entscheidend ist vielmehr, ob sie in der Lage sind, Intelligenz in einem schnelllebigen und fragmentierten Risikoumfeld verantwortungsvoll operativ zu nutzen.

Bei IMTF beobachten wir Trends nicht nur: wir setzten sie aktiv mit!

Siron®One ist eine ganzheitliche, modulare Plattform zur Prävention von Finanzkriminalität, die gezielt die nächste Generation von Compliance-Herausforderungen adressiert. Durch Kombination von KI-gesteuerter Intelligenz, regelbasierter Erkennung, intelligenter Automatisierung und menschlichen Eingriffsoptionen bei der Entscheidungsfindung steigert Siron®One die Präzision der Erkennung sowie die operative Effizienz und stärkt die Compliance-Resilienz von Finanzinstituten in einem zusehends komplexen und schnelllebigen aufsichtsrechtlichen Umfeld.

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